AMS.gif

 

für solidarische Absicherung: Krankenversicherung

Krankenversicherung 1 Foto: Eine Adivasi-Familie wartet am Adivasi-Krankenhaus (AMS)

"Derzeit ist es nicht leicht, den Beitrag für unsere Krankenversicherung einzusammeln. Durch Arbeitslosigkeit infolge der Covid-19-Pandemie fällt es vielen Familien sehr schwer, den monatlichen Betrag von nur 500 Rupien zu zahlen. Wir behandeln sie natürlich trotzdem", berichtet die Adivasi Bindu, eine der Gesundheitsarbeiterinnen im Adivasi-Netzwerk AMS.

Für alle ca. 15.000 Adivasi, die Mitglied im Adivasi-Netzwerk AMS sind, ist die medizinische Versorgung durch die AMS-Gesundheitsarbeiter*innen und am Adivasi-Krankenhaus kostenlos. Im Gegenzug zahlt jede Adivasi-Familie einen Betrag von 500 Rupien im Monat. Eingesammelt wird der Beitrag von den AMS-Gesundheitsarbeiter*innen, den sogenannten Health Animators. 

Der Gesundheits-Fonds der Adivasi ist streng genommen keine Krankenversicherung. Krankenversicherungsbeiträge für alle Adivasi finanziert seit einigen Jahren der Staat. Aber die im Gesundheits-Fonds angesparten Beiträge finanzieren besondere Kosten im Zusammenhang mit Behandlungen, die der Staat nicht übernimmt. So kommen die Monatsbeiträge der Familien im Bedarfsfalle allen zugute - es ist eine solidarische Absicherung, genau wie eine Krankenversicherung.

Finanziell ist der Beitrag klein. Doch entsprechend der Erkenntnis, das Kostenloses nur selten wert geschätzt wird, wird ein Eigenbeitrag erhoben, seitdem es die Gesundheitsarbeit der Adivasi gibt. Im Adivasi-Netzwerk AMS werden keine Wohltaten wahllos verteilt, sondern wird Selbsthilfe aufgebaut.

Entsprechend der Prinzipien von Selbstverwaltung und Verantwortung der Adivasi wurde am Adivasi-Krankenhaus von Anfang an ein fortschrittliches Krankenversicherungskonzept entwickelt, das für einen Teil der Kosten aufkam. Wichtig war, zu beachten, dass die Versicherung für die Adivasi bezahlbar ist und dass es den Adivasi nicht möglich ist, weit im voraus zu bezahlen, wie es viele Versicherungen verlangten. Es wurde über das Adivasi-Krankenhaus ein Versicherungspaket mit einer indischen Versicherung abgeschlossen, welche sich bereit erklärte, die Adivasi zu versichern. Der von der Versicherung verlangte Vorschuss wurde an Fördermitteln eingeworben. Die Adivasi bezahlten fortan monatliche Raten, um diesen Vorschuss zu erstatten bzw. davon den nächsten Vorschuss zu zahlen. Dafür wurden die Adivasi im Adivasi-Krankenhaus stationär umsonst behandelt. Ambulante Behandlungen waren weiterhin kostenpflichtig, aber um einiges günstiger als in anderen nicht-staatlichen Krankenhäusern. Die kostenpflichtigen Medikamente sind ebenfalls günstig, da statt Marken-Medikamenten preisgünstige Medikamente der gemeinnützigen indischen Generika-Firma Lowcost verkauft werden.

Die Krankenversicherung entsprach dem wichtigen Anliegen unserer indischen Partner/innen, keine kostenlosen Wohltaten zu verteilen, sondern Selbsthilfe und Selbstorganisation der Adivasi zu stärken. In den Dorfgruppen wurde nicht nur der Versicherungsbeitrag eingesammelt, sondern auch über dessen Höhe diskutiert und entschieden. In einem Dorf konnte der Versicherungsbeitrag nicht von allen Adivasi-Familien gezahlt werden; so senkten sie den Beitrag und sammelten nun im Dorf sogar mehr Geld ein, da mehr Familien den Beitrag zahlten. Es war sogar möglich, dass Adivasi-Familien ihren Versicherungsbeitrag in Eiern abzahlen konnten, die dann im Adivasi-Netzwerk verkauft wurden.

Als die Regierung des Bundesstaates Tamil Nadu begann, die Adivasi-Krankenversicherung zu finanzieren, beschlossen die Adivasi-Dorfgruppen, dass sie die gewohnten Monatsbeiträge weiterhin zahlen wollten:

Jetzt fließen die Monatsbeiträge jeder Familie in einen gemeinschaftlichen Gesundheitsfonds (den Community Health Fund).
Von diesem Geld werden besondere Ausgaben finanziert: Zum Beispiel die Kosten für Transport, Verpflegung und medizinische Versorgung, wenn Adivasi vom Adivasi-Krankenhaus zur Spezialbehandlung an ein anderes Krankenhaus überwiesen werden müssen.

> zurück <