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Fortsetzung: aktuelle COVID-19-Fälle bei Adivasi

So wird vermieden, dass die Menschen aus den Dörfern extra nach Gudalur reisen müssen. Damit können wir gemeinsam sehr schnell und effektiv impfen. Ich würde fast behaupten, wir sind die einzige Region in Indien, wo das so schnell läuft und die einzige, wo schon bald die gesamte (Adivasi-)Bevölkerung geimpft sein könnte", ist Stan begeistert.

Dies wäre der beste Schutz gegen COVID-19-Infektionen unter Adivasi in der Region. Um die 20.000 Adivasi leben in den Dörfern der Gudalur-Region; in der insgesamt dicht besiedelten Region leben weit über 100.000 Menschen mit in der ländlichen Region beschränkten Möglichkeiten zur Behandlung. Außer Kontrolle geratene Infektionsketten könnten dramatische Folgen haben.
Bis Anfang April 2021 gab es keine offiziell bekannt gewordenen Infektionen in den etwa 300 verstreuten Adivasi-Dörfern der Region. Seitdem traten mehrfach COVID-19-Infektionen unter Adivasi auf, kürzlich gab es zwei Todesfälle. Insgesamt sind Infektionen in der Region unter Adivasi noch vergleichsweise sehr niedrig. Gesundheits- und Dorf-Teams des Adivasi-Netzwerks AMS arbeiten dafür, die Infektionsfälle weiterhin unter Kontrolle zu halten. Ein wichtiges Projekt bei der Bekämpfung der Pandemie sind die Quarantäne-Hütten; einige davon finanziert unser Adivasi-Tee-Projekt dank Ihrer Spenden. Wenn die Pandemie vorbei sein wird, werden diese Quarantäne-Hütten als dörfliche Lernzentren dienen.

Die pensionierte Ärztin Shyla am Adivasi-Krankenhaus in Gudalur beschreibt die Situation der Corona-Pandemie Anfang Juni so:
"Kürzlich starben in unserer Region zwei Adivasi an COVID-19. Es sind ziemlich traurige Geschichten. Wegen der Pandemie sterben die Leute allein im Krankenhaus. Wir müssen die schweren Fälle an Spezialkrankenhäuser wie in Coimbatore überweisen. Aber manche sagen jetzt schon, lasst uns lieber hier sterben.
Anfangs schien die Pandemie recht mild zu sein und das normale Leben ging für die Leute weiter. Aber diese Corona-Welle jetzt ist viel viel stärker. Die Sterblichkeit liegt irgendwo unter zwei Prozent, aber dennoch. Die Einzelschicksale sind traurig; jeder kennt jetzt Erkrankte oder hört von Verstorbenen in seinem Umfeld. Die Leute haben Angst. Anfangs war die Impfbereitschaft sehr sehr niedrig hier und unser Gesundheitsteam ist den Leuten nahezu hinterhergerannt, um sie zu impfen. Jetzt wollen die Leute geimpft werden, aber der Impfstoff reicht nicht. Die Impfungen gehen nur langsam voran."

Seit dem 1. Mai können in Indien alle ab 18 Jahren geimpft werden, bis dahin waren COVID-19-Impfungen den über 45-Jährigen vorbehalten. Da der Impfstoff knapp ist, schreiten die Impfungen fast überall nur langsam voran. Dank des Engagements der kürzlich neu gewählten Regierung des Bundesstaates Tamil Nadu, welche Impfungen insbesondere unter Adivasi vorantreiben möchte, und dank deren Bereitschaft, bei den Impfungen so gut mit dem Adivasi-Netzwerk und dessen Teams von ACCORD (Dorfentwicklungsarbeit) und ASHWINI (Gesundheitsarbeit) zusammenzuarbeiten, gehen die Impfungen in den Adivasi-Dörfern der Gudalur-Region in den Nilgiri-Bergen nun mit großen Schritten voran.

"Wir erwarten in den nächsten Tagen erneut 5.000 Impfdosen", sagt Stan von ACCORD am 20. Juni.

Das sind gute Neuigkeiten, denn "das Adivasi-Krankenhaus ist voll von Corona-Patient*innen".
Das Adivasi-Krankenhaus hat sich nach besten Kräften auf die Pandemie eingestellt. Wie gut das kleine Krankenhaus mit einer kleinen COVID-Station, mit vier Beatmungsgeräten und einer Quarantäne-Station für acht Personen steigenden Infektionszahlen gerecht werden könnte, ist offen.
Neben den gesundheitlichen Problemen gibt es seit Beginn der Pandemie aber noch viele andere Schwierigkeiten zusätzlich zu bewältigen: Schulen sind landesweit seit über einem Jahr geschlossen, regelmäßiger guter online-Unterricht eine Utopie für die meisten Adivasi, sofern er überhaupt angeboten wird. Familien verlieren Arbeit und Einkommen ohne eine staatliche Grundsicherung. Die landwirtschaftlichen Produkte der Adivasi können schwerer vermarktet werden. Selbst die Ernährungssicherung wurde vor allem während des Lockdowns zu Beginn der Pandemie ein echtes Problem. Die Adivasi treffen die gesundheitlichen und sozioökonomischen Pandemie-Folgen besonders hart.

"Die Frage ist, wie wir die Krise managen", betont Stan T.

Lesen Sie hier, wie unsre indischen Partner*innen die Corona-Pandemie und ihre Folgen bewältigen.

Lesen Sie hier, wie unsere indischen Partner*innen im Adivasi-Netzwerk AMS aktuell aktiv sind.
Mit einer Spende zugunsten "Adivasi" unterstützen Sie die Adivasi bei den besonderen Herausforderungen während der Pandemie.