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Online-Workshops mit Adivasi

Begegnung kann nicht in Präsenz stattfinden
October 1, 2025 by
Online-Workshops mit Adivasi
Lisa Baumann

Erneute Visa-Absage

Ende Mai sollten Kamalachi und Anitha, zwei junge Adivasi-Frauen aus Südindien nach Deutschland reisen, um unser vierwöchiges Bildungsprogramm mitzugestalten und am X-Lab Seminar teilzunehmen. Leider machte uns das Konsulat in Mumbai einen Strich durch die Planung. Beide erhielten trotz vollständiger Visa-Anträge, finanzieller Absicherung durch unsere Einladung und abgesteckten Ziele der Reise kein Visum. Im Ablehnungsschreiben mussten wir lesen, dass der Reisezweck nicht glaubhaft sei und dass Zweifel an der Absicht zur Rückreise bestünden. Wir waren entrüstet, insbesondere weil wir Unterstützungsbriefe von Mitgliedern des Deutschen Bundestages mitgeschickt hatten zum Visumsantrag. Da der Visa-Bescheid sehr spät ankam, blieb uns keine Zeit mehr für einen Widerspruch und die Hoffnung, dass es doch noch klappen könnte. Insbesondere weil auch schon Anfang des Jahres bereits die zwei eingeladenen Gäste Vishnu und Chandran kein Visum für unser Bildungsprogramm erhielten, waren wir nun wirklich traurig, dass keine Begegnung in Deutschland stattfinden kann.

Wir mussten erkennen, dass es seitens der Behörden zunehmend verunmöglicht wird, Adivasi nach Deutschland einzuladen und führten Gespräche mit unseren Partner*innen zur weiteren Strategie unserer Begegnungsarbeit. 2026 werden wir zunächst einmal eine Pause einlegen, um Kapazitäten zu schonen. 2027 planen wir eine Kooperation mit dem entwicklungspolitischen Praktikumsprogramm ASA und erhoffen uns durch den Zweck des Praktikums mehr Zuspruch von den Behörden.

In den Gesprächen mit Anitha und Kamalachi, die quasi auf gepackten Koffern ihren Ablehnungsbescheid erhielten, suchten wir nach alternativen Wegen der Begegnung.

Wir haben erfolgreich einige Veranstaltungen in den hybriden Raum verlegt und uns trotz aller Schwierigkeiten ausgetauscht und weitergebildet: Ein Workshop fand hybrid während unseres X-Labs statt und ein weiterer Workshop wurde mit Schüler*innen der Stadtteilschule Hamburg-Bergedorf durchgeführt. Zudem fand ein Vortrag in Hannover im Kulturtreff Plantage statt in Kooperation mit der Deutsch-Indischen Gesellschaft. Dort war aus technischen Gründen leider keine Online-Zuschaltung möglich, aber wir konnten immerhin die aufgezeichneten und zugeschnittenen Vorträge von Anitha und Kamalachi anschauen.

Hier können Sie die Videos anschauen



Begegnung über Grenzen hinweg

Die Erfahrungen von 2025 haben uns gezeigt, was digitale Begegnungen leisten können – und wo ihre

Grenzen liegen. Online-Formate machen Austausch unabhängig von Entfernung möglich, erreichen

Menschen, die nicht zu Präsenzveranstaltungen kommen können, und lassen sich vergleichsweise einfach und kostengünstig umsetzen. Gleichzeitig können sie die persönliche Begegnung nicht vollständig ersetzen. Ein gemeinsames Gespräch im selben Raum, spontane Begegnungen und das Gefühl, wirklich miteinander Zeit zu verbringen, bleiben etwas Besonderes.

Deshalb möchten wir auch künftig beides miteinander verbinden: persönliche Begegnungen als Herzstück unserer Bildungsarbeit und digitale Formate als wertvolle Ergänzung. Dabei wollen wir noch stärker Räume schaffen, in denen nicht nur Wissen vermittelt wird, sondern Menschen voneinander lernen und ihre unterschiedlichen Erfahrungen miteinander teilen können.

Denn genau darin liegt für uns der Wert unserer Bildungsarbeit: Grenzen werden nicht nur geografisch

überwunden. Menschen begegnen sich, hören einander zu und entdecken Gemeinsamkeiten, ohne

Unterschiede unsichtbar zu machen. Auch wenn 2025 vieles anders kam als geplant, sind daraus neue

Formen des Austauschs entstanden, die wir weiterentwickeln möchten.