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Herausforderung Import von Tee und Pfeffer

March 1, 2026 by
Herausforderung Import von Tee und Pfeffer
Lisa Baumann

Viele unserer Spender*innen und Kund*innen haben Adivasi-Produkte bestellt, Fragen gestellt oder ihre Sorge und Enttäuschung geäußert. Als Projektrat und Team Fairer Handel sehen wir es als unsere Verantwortung, allen offen und transparent über die Hintergründe dieser Situation zu informieren. Die aktuellen Lieferunterbrechungen sind Ausdruck tiefgreifender globaler, politischer und bürokratischer Veränderungen, die insbesondere kleine, partnerschaftlich arbeitende Handelsinitiativen treffen.

In diesem Artikel möchten wir die Ursachen darlegen, unsere Haltung erklären und deutlich machen, wie wir an unseren Grundsätzen festhalten – auch dann, wenn dies kurzfristig Verzicht und Geduld erfordert. Wir danken Ihnen schon jetzt für Ihr Verständnis, Ihre kritischen Fragen und Ihre anhaltende Solidarität.

1. Auswirkungen von bewaffneten Konflikten auf globale Handelsrouten

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat weltweit Handelswege durcheinandergebracht. Wichtige See- und Landrouten sind unsicher oder teurer geworden, Häfen im Schwarzen Meer waren zeitweise blockiert und Schiffe müssen Umwege fahren. Der Krieg in der Ukraine ist dabei nicht der einzige Konflikt, der die Handelswege verändert. Angriffe bewaffneter Gruppen auf Handelsschiffe im Roten Meer seitens der Huthi-Bewegung in Jemen haben in den letzten Jahren dazu geführt, dass ein großer Teil der Schiffe nicht mehr durch den Suezkanal fährt, sondern den langen Weg um die Kapregion Südafrikas nimmt. Gleichzeitig verschärfen militärische Spannungen im Südchinesischen Meer das Risiko an einem weiteren globalen Knotenpunkt, durch den ein erheblicher Teil des Welthandels und der Energieimporte verläuft. Diese Konflikte verlängern die Transportzeiten deutlich, zwingen Reedereien und Logistik-Unternehmen immer wieder umzuplanen und erhöhen die Kosten.

Was abstrakt klingt, trifft kleine Fair-Trade-Projekte besonders hart: Wir verschicken keine Massengüter, sondern vergleichsweise kleine Mengen mit hohen sozialen Anforderungen an Transparenz, Qualität und Rückverfolgbarkeit. Steigende Frachtpreise und längere Laufzeiten machen diese Lieferungen für uns und unsere Partner*innen zunehmend unwirtschaftlich.

2. Indiens Einstufung von Pfeffer als „hazardous good“

Erschwerend kommt hinzu, dass Pfeffer von den indischen Behörden im Zuge veränderter internationaler Regularien als sogenanntes „hazardous good“, also Gefahrengut, eingestuft wurde. Diese Klassifizierung zieht zusätzliche Auflagen, Genehmigungen und Sicherheitsvorschriften nach sich. In der Praxis führt das dazu, dass der Export von Pfeffer deutlich komplizierter, zeitaufwendiger und teurer geworden ist – insbesondere für kleine Produzent*innen und Exportorganisationen, die nicht auf industrielle Exportstrukturen zurückgreifen können.

3. Fehlende Exportlizenz unserer Partnerorganisation Just Change

Ein weiterer zentraler Grund für die aktuelle Situation ist, dass unsere Partnerorganisation Just Change derzeit keine gültige Exportlizenz erhält. Die indische Regierung hat die Vergabe solcher Lizenzen in den letzten Jahren umgestellt. Das Antragsverfahren läuft nun digital und über eine zentrale Stelle in Delhi, anstatt wie bisher über persönliche Kontakte in Chennai. Während Digitalisierung und Zentralisierung offiziell der Effizienz dienen sollen, bedeutet es in der Realität vor allem viel längere Bearbeitungszeiten, mehr bürokratische Hürden und stärkere staatliche Kontrolle. Unsere Partnerin Mary Ann berichtete in diesem Kontext: „Vor einiger Zeit meldete man eine Organisation an und einen Tag später war das entsprechende Dokument da, das man brauchte. Um unsere Bauernkooperative anzumelden, warten wir nun schon ein ganzes Jahr auf Feedback von den Behörden. Niemand kann uns sagen, welchen Status unser Antrag hat.“

Für basisnahe Organisationen wie Just Change, die eng mit Adivasi-Gemeinschaften arbeiten und bewusst dezentral organisiert sind, stellt diese Entwicklung eine massive strukturelle Benachteiligung dar.

Was Just Change derzeit tut

Auch ohne Exportmöglichkeiten ist unsere Partnerorganisation Just Change vor Ort aktiv und engagiert. Derzeit liegt ein zentraler Schwerpunkt ihrer Arbeit auf dem Aufbau einer Bauernkooperative. Bereits 700 Kleinbauern sind der Kooperative beigetreten (Stand Januar 2026). Ziel ist es, Kleinbäuerinnen und Kleinbauern stärker zu organisieren, ihre Verhandlungs-macht zu erhöhen und langfristig stabilere wirtschaftliche Perspektiven zu schaffen. In diesem Zusammenhang führt Just Change regelmäßig Trainings und Workshops durch. In den Weiterbildungen geht es unter anderem um nachhaltige Anbaumethoden, Qualitätssicherung, gemeinschaftliche Organisation sowie um die Stärkung von Wissen und Selbstbestimmung der beteiligten Kleinbäuer*innen. Diese kontinuierliche Bildungs- und Organisationsarbeit trägt unmittelbar dazu bei, Lebens- und Arbeitsbedingungen zu verbessern – unabhängig davon, ob aktuell exportiert werden kann.

Was bedeutet das für uns als Initiative in Deutschland?

Wir stehen weiterhin fest an der Seite unserer Partner*innen in Indien. Das Adivasi-Tee-Projekt ist kein reines Handelsprojekt, sondern Teil einer langfristigen solidarischen Zusammenarbeit. Wir wollen uns nicht von kurzfristigen Marktlogiken leiten lassen, sondern politische und ethische Rahmenbedingungen reflektieren. Unser Ziel ist nicht, möglichst viel Ware zu verkaufen, sondern Beziehungen zu stärken, in denen Produzent*innen selbstbestimmt wirtschaften können – ohne neuen Druck, ohne neue Abhängigkeiten. Deshalb akzeptieren wir vorübergehende Lieferpausen, statt unsere Partner*innen zu zwingen, ihre Produkte an riskante Logistikketten zu binden.

Ausblick, Bildungsarbeit und Dank

Gemeinsam mit unseren Partner*innen prüfen wir weiterhin, ob und wann sich neue Möglichkeiten für einen fairen und realistischen Export ergeben. Das jüngst verabschiedete Handelsabkommen zwischen der EU und Indien wird unsere Liefersituation voraussichtlich nicht verbessern, da es andere Waren und Dienstleistungen betrifft.

Unser Engagement für globale Gerechtigkeit geht weit über den direkten Fairen Handel hinaus. Ein zentraler Bestandteil des Adivasi-Tee-Projekts bleibt unsere Bildungsarbeit: In Seminaren, Workshops, Vorträgen und unserem Podcast schaffen wir Räume für Austausch und kritische Auseinandersetzung mit globalen Macht- und Handelsverhältnissen. So werden die Zusammenhänge zwischen Konsum, globaler Verantwortung und den Lebensrealitäten der Adivasi-Gemeinschaften sichtbar.

Auch in Zeiten, in denen konkrete Produktlieferungen fehlen, bleibt diese Arbeit ein tragender Pfeiler unserer Initiative – und ein wichtiger Beitrag zu Solidarität, Bewusstseinsbildung und langfristigem gesellschaftlichem Wandel. Als Gemeinschaft und Teil einer aktiven Zivilgesellschaft in Deutschland wollen wir darauf achten, zusammenzustehen und demokratische Lernräume zu gestalten, um populistischen Spaltungsversuchen entgegenzuwirken.

Wir danken allen Teilnehmenden, Kund*innen und Unterstützenden herzlich für ihre Geduld, Solidarität und ihr Vertrauen! Das Adivasi-Tee-Projekt lebt von langfristiger Solidarität – nicht von kurzfristiger Verfügbarkeit.