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Adivasi-Netzwerk AMS:

Schule und Bildung


Die schwierige Bildungssituation von Adivasi-Kindern

Kinder spielen eine wichtige Rolle in Familie und Gemeinschaft der Adivasi der Gudalur-Region. Sie werden geliebt und anerkannt. Traditionell dürfen auch Kinder an den Entscheidungen der Dorfgruppen (sangams) gleichberechtigt mitwirken. Sie und ihre Eltern wollen Bildung - entgegen allen Vorurteilen gegenüber Adivasi. Aber die Bildungssituation der Adivasi in den Nilgiris-Bergen ist sehr schwierig. Die Dörfer sind oft abgelegen - nicht selten haben schon kleine Kinder einen gefährlichen Schulweg von einigen Kilometern Fußweg durch den Wald. Die Familien besonders arm und benachteiligt. An den staatlichen Schulen spielen Sprache und Kultur der Adivasi keine Rolle; spezifische Bedürfnisse der Adivasi-Kinder werden oft nicht berücksichtigt. Auch brauchen die Familien Geld für Schuluniformen und Schulmaterialien. Schwierige Lernbedingungen zu Hause und an staatlichen Schulen führen zur Benachteiligung und immer wieder auch zum Schulabbruch. Viele Kinder gehen nicht regelmäßig zur Schule oder brechen sie ab.

Unter dem Dach der Adivasi-Bildungsorganisation "Vishwa Bharata Vidyodaya Trust" in Gudalur werden Adivasi-Kinder erfolgreich unterrichtet und erhalten auch Schulabbrecher/innen eine zweite Chance. Sie leben und lernen auch zusammen mit ausgebildeten bzw. erfahrenen Adivasi. An den beiden Adivasi-Schulen in Gudalur und in den dörflichen Lernzentren werden die Bedürfnisse der Adivasi-Kinder erkannt und berücksichtigt.

Surendiran, Adivasi der Mullakurumba, und langjähriger Leiter der Adivasi-Schule "Vidyodaya"
"Unsere Kinder sollen lernen, stolz darauf zu sein, wer sie sind und die Gesellschaft als aktive Mitglieder zu gestalten."

 

Die Adivasi-Schule "Vidyodaya" in Gudalur

Um die Adivasi-Kinder bestmöglich zu unterrichten, hat das Adivasi-Netzwerk AMS unter dem Dach der Adivasi-Bildungsorganisation „Vishwa Bharata Vidyodaya Trust“ eine Adivasi-Schule in der Provinzstadt Gudalur für Adivasi-Kinder aufgebaut. An dieser Tagesschule lernen bis zu 100 Adivasi-Kinder bis zur 5. Klasse. Mit einem eigenen Schulbus wird ein Teil der Kinder aus einigen abgelegenen Adivasi-Dörfern gebracht. Die Kinder gehen gern auf die Adivasi-Schule und lernen gut. Bis 2014 wurden Adivasi-Kinder auch bis zur 8. und dann sogar bis zur 10. Klasse unterrichtet, doch trotz der anerkannten pädagogischen Erfolge führten neue gesetzliche Regelungen, höhere Anforderungen an Bau und Ausstattung der Schule und an Ausbildung der Lehrkräfte dazu, dass seit 2014 die Adivasi-Schule nur noch bis zur 5. Klasse unterrichten darf. Individuelle Lösungen für ältere Schüler/innen wurden bei diesem Übergang gefunden.

Seit 2016 gibt es an der Adivasi-Schule einen Orientierungskurs ("Foundation Course") für ältere Schüler/innen: Jeweils 10 bis 15 Adivasi-Jugendliche werden von Vidyodaya untergebracht und verpflegt und unterrichtet. Sie erhalten einerseits Unterstützung und Unterricht, um die Prüfungen der 10. Klasse zu bestehen. Andererseits erhalten sie berufliche Orientierung und lernen eigene Stärken kennen, so dass sie sich anschließend entscheiden können, welchen Schwerpunkt sie ab der 11. Klasse wählen wollen oder ob sie lieber einen technischen beruflichen Kurs absolvieren wollen.

Die Schule und die Bildungsarbeit ist weiter ein wichtiger Schwerpunkt in der Arbeit der Adivasi - und nach wie vor zeigt die Adivasi-Schule, dass und wie gute Bildung auch für Adivasi-Kinder möglich ist.

Seit April 2015 ist die Adivasi-Schule "Vidyodaya" in Gudalur als eine von sieben Schulen in Indien als Ashoka Changemaker School anerkannt. mehr zu Ashoka-Schulen hier...

Logo Ashoka India
Sanjana Janardhanan, Programm-Manager der "Ashoka Changemaker Schools" über die Adivasi-Schule:

"Vidyodaya School is exemplary of a workable and successful model of changemaker education for the tribal communities in India. When both the government, and the tribal community itself, had given up on the education of the tribal child, Vidyodaya demonstrated a system that challenges old school and elitist thinking."

Adivasi-studentsVideo über die Adivasi-Schule:

Lernen Sie die Adivasi-Schule in Gudalur kennen - mit einem Video (6:30 min), gedreht von der Ashoka Foundation (2015). Die Adivasi-Schule ist als Ashoka Changemaker School anerkannt.
Video ansehen...

 

Von Anfang an hatte die Vidyodaya-Schule das Bestreben, nich nur eine Anzahl von Kindern zu unterrichten – sondern es ging immer auch darum, der Gesellschaft und der Regierung zu zeigen, dass Bildung für Adivasi-Kinder sehr wohl und erfolgreich möglich ist, wenn sie richtig angegangen wird. 2009 wurde die Adivasi-Schule von der indischen Regierung als alternative Schule anerkannt. Dies berechtigte die Adivasi dazu, selbst Prüfungen abzunehmen und Lehrpläne zu gestalten und damit auch traditionelles Wissen der Adivasi zu unterrichten und gleichzeitig die Schüler/innen für gute Schulabschlüsse und höhere Bildung zu befähigen. Auch die Regierung von Tamil Nadu sah die Erfolge der Arbeit – Vidyodaya wurde 2012 ausgewählt, Adivasi-Kinder, welche staatliche Schulen abgebrochen hatten, als Internatsschule zu unterrichten. Bis 2016 lebten also auch Kinder zwischen der 1. und 8. Klasse in der Schule und wurden von jungen Adivasi-Lehrer/innen betreut, welche von Vidyodaya in zwei Jahren ausgebildet worden waren. Auch im Adivasi-Dorf Manvayal begannen der Unterricht und die Betreuung von 50 Schulabbrecher/innen. Allerdings war es für das Schulteam frustrierend zu sehen, wie viele der Adivasi-Kinder, die nach dem Ende des zweijährigen Programms an ihre frühere staatliche Schule zurückkehren mussten, bald erneut die Schule abbrachen.

Der Erfolg der Adivasi-Schule "Vidyodaya" und ein neues staatliches Programm ermöglichten im Sommer 2016 die Eröffnung einer Adivasi-Internatsschule für ehemalige Schulabbrecher/innen.

 
Die neue Adivasi-Internationsschule in Gudalur

Seit Sommer 2016 betreibt die Adivasi-Bildungsorganisation "Vishwa Bharata Vidyodaya Trust" (Vbvt) eine zweite Schule in Gudalur. Hier können Adivasi-Kinder, welche staatliche Schulen abbrachen, wohnen und lernen  - bis zum Ende ihrer verbleibenden Schulzeit von der 1. bis zur 8. Klasse. Die Finanzierung von Bau und laufenden Kosten dieser "SSA Vbvt Access Residential School" erfolgt durch die staatlichen Programme SSA ("Sarwa Siksha Abhiyan" = Bewegung der Bildung für alle) und "Access". Der Unterricht wird konzipiert und durchgeführt von Vidyodaya (Vbvt).

Die neuen Lehrkräfte werden von zwei erfahrenen Adivasi-Lehrer/innen darin geschult, den alternativen Unterricht von Vidyodaya und die besondere ermutigende Atmosphäre umzusetzen. Und vielleicht haben künftig noch mehr Adivasi den geforderten Bildungsabschluss als Lehrkraft, es ist zu wünschen.

Noch ist die Adivasi-Internatsschule im Aufbau. Bald werden 100 Adivasi-Kinder hier lernen und leben. Um das Wohnen angenehm zu gestalten und das in Delhi konzipierte Schulgebäude den klimatischen Bedingungen vor Ort anzupassen, investierte Vidyodaya eigene Förder- und Spendengelder für eine größere Küche, einen Waschplatz mit Waschmaschine, einen Trockenplatz auf dem Dach. Bald soll eine mit Solarenergie betriebene Warmwasseranlage hinzukommen.

 

Die dörfliche Bildungsarbeit

In Kooperation mit der Adivasi-Gesundheitsorganisation ASHWINI wurde bereits im ländlichen Gebiet Land gekauft für eine Schule. Dies soll eine Schule für Schulabbrecher/innen entstehen, welche dort im zweiten Schritt eine Lehre absolvieren können sollen.

Bereits jetzt gibt es dörfliche Lernzentren, in den die Adivasi-Kindern nach der Schule beim Lernen unterstützt werden, mobile Dorfbibliotheken, regelmäßige Bildungscamps für Schulabbrecher/innen und zur Examensvorbereitung, ein Sparprogramm für Kinder, ein Fonds zur Unterstützung von Eltern sowie nicht zuletzt eigenes Bildungs- und Unterrichtsmaterial in Adivasi-Sprachen. In Zusammenarbeit mit dem Linguistic Survey of India werden Adivasi-Sprachen mit der Tamil-Schrift und Sonderzeichen verschriftlicht; als Bildungsarbeiter/innen ausgebildete Adivasi erstellen Alphabete in den Adivasi-Sprachen. Seitdem die Kinder von freiwilligen Adivasi aus ihren Dörfern zur Schule begleitet werden, gehen fast alle Kinder regelmäßig zur Schule.

 

Digitale Bildung: Ein Community Information Resource Centre (CIRC)

Im August 2015 wurde vom Adivasi-Netzwerk AMS in Erumad in den Nilgiris-Bergen das erste Gemeinschaftszentrum für digitale Kommunikation eröffnet - ein "Community Information Resource Centre" (CIRC). Hier können die Adivasi der umliegenden Dörfer Computer, Internet und Drucker nutzen und sich darin weiterbilden. Seit 2007 sind in ganz Indien in Kooperation mit lokalen Organisationen 120 solche Zentren für benachteiligte Bevölkerungsgruppen entstanden, in den Nilgiris-Bergen ist es das erste. Die Potentiale von Computer, Tablet und Internet spielen in der Arbeit der Adivasi und ihrer Vernetzung eine immer größere Rolle - so kann ein Adivasi-Gesundheitsarbeiter beim Dorfbesuch mit Tablet und Internet direkt Daten an das Adivasi-Krankenhaus in Gudalur weiterleiten. Damit auch die Adivasi in den zum Teil abgelegenen Dörfern Computer und Internet nutzen und selbstsicher an der Gesellschaft teilhaben können, ist das erste "CIRC"-Zentrum in den Nilgiris-Bergen sehr wichtig. mehr: www.circindia.org...

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