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Adivasi: Ureinwohner/innen in den Nilgiris-Bergen


Die Ureinwohner/innen der Nilgiris-Berge sind Adivasi, die Ureinwohner/innen Indiens:

Der Begriff Adivasi meint wörtlich „Ureinwohner“ oder „erste Siedler“. Die Adivasi-Gemeinschaften haben eine große ethnische und kulturelle Vielfalt. Die wichtigsten Adivasi-Gemeinschaften der Nilgiris-Berge im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu sind Paniyas, Mullakurumbas, Bettakurumbas, Todas, Kota, Kurumbas, Irulas und Kattunaicken. In den Nilgiris-Bergen sind die Adivasi eine Minderheit. Ihre Zahl ist vergleichsweise gering: Von den 795.000 Adivasi, die im Bundesstaat Tamil Nadu leben (das sind laut der Bevölkerungszählung von 2011 etwa 1,1% der Bevölkerung von Tamil Nadu von etwas über 72 Millionen Menschen), leben etwa 22.000 Adivasi in der Gudalur-Region der Nilgiris-Berge. Zum Vergleich: Die Bevölkerung in der Kleinstadt Gudalur allein zählt etwa 50.000 Menschen. Die Adivasi sind eine kleine Minderheit in der Region, aber sie sind doch mehr, als Jahrzehnte lang Verwaltung, Bevölkerung und die Adivasi selbst dachten. Denn in der Kleinstadt Gudalur sind nur 4% der Einwohner/innen Adivasi. Fast alle Adivasi leben in Dörfern, viele davon verstreut und abgelegen im Wald.

Die Adivasi-Gemeinschaften der Nilgiris-Berge haben hinsichtlich ihrer Lebensweise, ihrer Religion und ihrer Identität eine enge Verbindung zum Wald. Traditionell waren sie Jäger und Sammler und Halbnomaden. Sie sammeln Waldprodukte wie Bambus, Feuerholz, Wurzeln, Kräuter, Früchte und Honig. Die Kattunaicken sind von den Adivasi-Gemeinschaften in den Nilgiris-Bergen diejenige, welche am meisten in Abhängigkeit vom Wald lebt. Die Dörfer der Kattunaicken liegen im Wald und in ihrem täglichen Leben hängen sie stark vom Sammeln von Waldprodukten und und Honigsammeln ab.

Im Glauben der Adivasi ist die spirituelle Beziehung zur Natur wesentlich:

Die Adivasi in den südindischen Nilgiris-Bergen gehören verschiedenen Völkern an, die jeweils eigene Sprachen und Kleidervorschriften haben, eigenen Traditionen und Riten folgen. Sie folgen ihren überlieferten Glaubensvorstellungen. Anders als andere Adivasi vor allem im Nordosten Indiens haben sie nicht den christlichen Glauben angenommen und sehen die in Indien aktive christliche Missionierung kritisch. Im Glauben der Adivasi ist die spirituelle Beziehung zur Natur wesentlich: die Natur ist beseelt, die Geister (spirits) der Natur müssen geachtet werden. Gebetszeremonien werden in Adivasi-Tempeln, an heiligen Hainen in der Natur sowie im Freien bei Zeremonien und Festen durchgeführt. Elemente der Gebetszeremonie (Puja) bei den Adivasi ähneln dabei denen der hinduistischen Puja. So zünden Adivasi während der Puja Öllampen an, bringen Blumen, Kokosnüsse oder Bananen dar. Auch tierische Opfer gibt es sowohl bei Adivasi als auch für manche  traditionelle hinduistische Dorfgottheit, wenngleich die Tieropfer in Indien untersagt sind. In manchem Adivasi-Haus werden auch hinduistische Götter verehrt. Doch der Glaube der Adivasi an belebte Geister der Natur und ihre tiefe spirituelle Beziehung zur Natur sind bei den Adivasi in den Nilgiris-Bergen lebendig.

Was die Adivasi Janaki, Omana und Velan über ihren traditionellen Glauben sagen, lesen Sie hier...

Über Jahrhunderte sind Menschen von außerhalb der Nilgiris-Berge in diese Bergregion migriert:

Die Chettys zogen in den vergangenen Jahrhunderten Stück für Stück in die Wynaad-Region im Westen der Nilgiris und nahmen das Land dort in Besitz. Obwohl sie in Nachbarschaft mit den Wäldern lebten, waren sie nie direkt abhängig vom Wald für ihr Leben und Überleben. Die Mehrheit der Chettys war traditionell im Reisanbau in den Ebenen und Tälern beschäftigt.

Die Badagas sind eine Volksgruppe, von der angenommen wird, dass sie vor etwa 300 Jahren aus Mysore kommend in die Nilgiri-Region zogen. Ihre Hauptbeschäftigung ist Landwirtschaft. Mit größerer Bildung und Welterfahrung verlassen viele der jüngeren Generation der Badagas die Landwirtschaft.

Die Chettans gehören zu denen, welche erst in der jüngeren Vergangenheit vor allem auf der Suche nach Ackerland in die Nilgiris-Berge gezogen sind. Ein Großteil des Landes, das sie besiedelten, war in der Hand der Adivasi. Da Adivasi kein Konzept von Landeigentum haben, war es leicht für die Chettans, sich das Land der Adivasi anzueignen. Kulturell haben die Chettans keine Tradition, welche eine Beziehung zum Wald beschreibt. Die lokale Forstverwaltung macht die Chettans für einen Großteil der stattfindenden Wilderei verantwortlich.


Das Leben der Adivasi in den Nilgiris-Bergen heute:

Mit der Etablierung von Monokultur-Plantagen und mit dem Zuzug von immer mehr Migranten auf der Suche nach landwirtschaftlich nutzbarem Land hat sich das Leben der Adivasi in den Nilgiris-Bergen verändert. Die Adivasi heute arbeiten vor allem als Feldarbeiter/innen oder teilweise auch als Lohnarbeiter/innen auf Plantagen und Baustellen. Einige bauen Tee an, Kaffee oder Obstbäume. Doch aufgrund der schlechten Bewirtschaftung ihres Landes durch fehlende Geldmittel haben sie nur geringe Einkommen von ihren Landstücken. Einige der Kattunaicken-Adivasi arbeiten auch für die Forstverwaltung. Die Bettakurumba-Adivasi arbeiten zum Beispiel als Mahauts (Elefantentrainer), bei der Forstverwaltung als Wächter oder als Führer für Forscher und Touristen.

Doch allgemein ist die ökonomische Situation der Adivasi in den Nilgiris-Bergen schlecht. Sie haben einen mangelnden Zugang zum Wald für ein Leben von Waldprodukten, obwohl sich die rechtliche Situation für Adivasi und traditionell vom Wald lebende Gemeinschaften verbessert hat. Der Forest Rights Act erlaubt ihnen erst seit wenigen Jahren nach einer langen Kampagne von Menschenrechts-Organisationen, was ihnen über Jahrzehnte verwehrt war und sie kriminalisierte: die Nutzung von Waldprodukten. Adivasi dürfen heute Feuerholz, Früchte oder Honig in den Wäldern sammeln. Lediglich die Jagd und das Fällen von Bäumen sind ihnen verwehrt. Doch viele Adivasi leben nicht in Walddörfern und ein Leben von Waldprodukten reicht nicht aus. Neben einem Zugang zum Wald fehlt es den Adivasi aber an Landbesitz und an Bildung für eine Lebensgrundlage durch Einkommen.

Genaue Zahlen über die Bildungssituation von Adivasi in den Nilgiris-Bergen liegen uns nicht vor, aber die Daten der jüngsten Bevölkerungszählung im Bundesstaat Tamil Nadu (Census of India 2011). Demnach ist die Benachteiligung der Adivasi hinsichtlich ihrer Bildung in Tamil Nadu besonders groß. Während die Bevölkerung Tamil Nadus im Vergleich zu ganz Indien eine deutlich geringere Rate von Analphabet/innen aufweist (19,9% gegenüber 27,02%), ist die Analphabetenrate der Adivasi in Tamil Nadu sogar noch höher als die der Adivasi im Durchschnitt Indiens (45,7% gegenüber 41%), wobei 38,2% der Adivasi-Männer und 53,2% der Adivasi-Frauen Analphabet/innen sind - das sind etwa 315.000 Menschen. Etwas vereinfacht gesagt kann mehr als jeder dritte Adivasi-Mann und mehr als jede zweite Adivasi-Frau in Tamil Nadu nicht lesen und schreiben.

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