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Adivasi: Indiens Ureinwohner/innen

 

Adivasi sind die Ureinwohner/innen Indiens.

Das Wort „Adivasi" kommt aus der altindischen Sprache Sanskrit und bedeutet "die ersten bzw. ursprünglichen SiedlerInnen". Die Adivasi sind eine Minderheit. Laut den Daten der letzten Bevölkerungszählung (Census of India 2011) leben in Indien 1,21 Milliarden Menschen. Davon sind 104,5 Millionen Angehörige der Adivasi (registriert als sogenannte "Scheduled Tribes") - 8,63% der Bevölkerung Indiens. Damit ist Indien das Land mit der weltweit höchsten Zahl von Indigenen. Der indische Staat erkennt die Adivasi jedoch nicht als Indigene im Sinne der Vereinten Nationen an.


Die Adivasi sind keine homogene Gruppe.

Es gibt eine Vielzahl ethnischer Gruppen von ganz unterschiedlicher Größe. Eine mehrjährige ethnologische Forschung ermittelte 1992 etwa 500 Adivasi-Gemeinschaften von sehr wenigen Mitgliedern bis zu mehreren Millionen Angehörigen. In ihren Sprache und Lebensweisen wie Kleidung und Traditionen  unterscheiden sich die Adivasi voneinander.


Dennoch gibt es zwischen den Adivasi Gemeinsamkeiten.

In diesen Gemeinsamkeiten unterscheiden sie sich von den Nicht-Adivasi, sie sind charakteristisch für indigene Bevölkerungen überall auf der Welt: Ihre Religion, Lebensgrundlage und Lebensweise sind eng mit der sie umgebenden Natur und ihrem Land verbunden. Durch ihre relative Isolation über Jahrhunderte bewahrten Adivasi ihren traditionellen Lebensstil bis in die jüngste Zeit. Aber immer gab es auch kommerzielle, politische und kulturelle Kontakte mit Nicht-Adivasi. Manchmal würde es Außenstehenden schwer fallen, Adivasi in ihrer Lebensweise oder ihrem Erscheinen von ihren Nachbar/innen zu unterscheiden. Doch innerhalb der hierarchischen indischen Gesellschaft haben die Adivasi ihren eigenen Platz: Sie stehen außerhalb des Kastensystems am unteren Ende der gesellschaftlichen Hierarchie und sind besonders von Armut betroffen, benachteiligt und ausgegrenzt.


Fast alle Adivasi leben auf dem Land, v.a. in natürlich isolierten Wald- und Bergregionen.

90% der Adivasi in Indien leben auf dem Land (2011) - gegenüber 69% der Gesamtbevölkerung. Etwa die Hälfte der Adivasi bewohnt das zentralindische Wald- und Bergland zwischen den Bundesländern Gujarat im Westen und Westbengalen im Osten, weshalb dieses Gebiet auch der „Stammesgürtel“ (tribal belt) Indiens genannt wird. In den Unionsstaaten Nordostindiens haben die Adivasi den größten Anteil an der Bevölkerung. In Mizoram z.B. leben nur etwa 1,04 Million Adivasi, aber sie machen 94,4% der dortigen Bevölkerung aus (2011). Im übrigen Indien bilden die Adivasi eine Minderheit, wenn auch eine z.T. sehr starke. Im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu sind lediglich etwa 1,1% der Bevölkerung Adivasi - aber es sind ca. 800.000 Adivasi (2011). Die Adivasi Tamil Nadus leben vor allem in dessen Bergregionen, so in den Nilgiris-Bergen. Es gibt reine, meist abgelegene Adivasi-Dörfer und Dörfer, in denen Adivasi und Nicht-Adivasi in Nachbarschaft leben. Nur 10% der Adivasi  leben in Städten, wohin sie auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen migriert sind.


Wovon Adivasi leben:

In sehr isolierten Regionen leben Adivasi traditionell als Jäger und Bergbauern. Aber die meisten Adivasi leben durch die Zerstörung des Waldes, durch Landverlust und Vertreibung heute als Kleinbauern oder LandarbeiterInnen von der Landwirtschaft – und jagen und sammeln nur gelegentlich. Andere Adivasi arbeiten als HandwerkerInnen und KünstlerInnen. Und wieder andere sind Industriearbeiter; manche üben moderne Berufe in den Städten aus. Der Wald hat aber für die Adivasi eine hohe Bedeutung für alle Lebensbereiche – als Lebensraum und Lebensgrundlage. Er bietet ihnen traditionell Unterkunft, Nahrung, Viehfutter, Brenn- und Bauholz und durch den Verkauf von Holz, Honig, Gewürzen, Früchten etc. auch Einkommen. In den Traditionen der Adivasi wird der Wald religiös verehrt und ist damit auch die Grundlage ihres Glaubens. Traditionell kennen die Adivasi keinen individuellen Landbesitz. Der Wald gehörte allen, Land konnte von den Familien landwirtschaftlich genutzt werden, aber gehörte immer noch der Gemeinschaft. Im modernen Indien haben die Adivasi erst seit wenigen Jahren Nutzungsrechte am Wald.


Seit der Unabhängigkeit Indiens 1947...

...war die indische Regierung durchzahlreiche Entwicklungprogramme bestrebt, die Situation der Adivasi über ihre Integration in die Mehrheitsgesellschaft zu verbessern. Doch an der Benachteiligung der Adivasi hat sich bis heute wenig geändert. Im Gegenteil – ein einseitiges Verständnis von wirtschaftlicher Entwicklung, die exzessive Ausbeutung der natürlichen Ressourcen Indiens im Dienste des Wirtschaftswachstums und damit einhergehende Vertreibungen von Adivasi, mangelnde Entschädigung, mangelnde Einbeziehung der betroffenen Bevölkerung in Entscheidungsprozesse und mangelhafte Ermöglichung alternativer Lebensgrundlagen verschlechtern vielerorts die Lebensbedingungen von Adivasi dramatisch. Nicht ohne Grund kam und kommt es zu militanten Widerstandsbewegungen in der sogenannten Naxalitenbewegung vor allem in Indiens rohstoffreichen Gebieten, in denen Adivasi und insgesamt die marginalisierte ländliche Bevölkerung von Industrie- und Bergvorhaben nicht profitiert und obendrein ihre bisherige Lebensgrundlage verlieren. Menschenrechts- und Adivasi-Organisationen kämpfen seit Jahrzehnten für die Rechte der marginalisierten Bevölkerungsgruppen. Lokal erreichen sie Vieles. Manchmal hat ihre Arbeit sogar landesweite Auswirkungen und Resultate. Der jahrelangen Arbeit von zahlreichen Menschenrechtsgruppen ist es zu verdanken, dass Adivasi seit wenigen Jahren Waldnutzungsrechte zuerkannt werden.

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